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Unsere Erfahrungen können manchmal unser schlimmster Feind sein

Herr Danner* wurde befördert. Die Sektkorken knallten und er sonnte sich in den Glückwünschen, mit denen er überschüttet wurde. Voller Elan hat er seine neue Aufgabe im gehobenen Management angetreten. Nur noch sein Chef steht jetzt zwischen ihm und der Unternehmensspitze. Im Hochgefühl der Bestätigung hatte Herr Danner das Gefühl, es auch noch ganz nach oben zu schaffen. Die bisherige Karriere lief ja wie am Schnürchen.

5 Monate später hat Herr Danner bei mir einen Termin gemacht. Von Hochgefühl war keine Rede mehr. Ein völlig verunsicherter Manager saß mir gegenüber, dem nichts mehr zu gelingen schien.

Was war passiert? Nach den ersten Wochen im neuen Job wurde Herr Danner schnell klar, dass ihm bei den Interviews nicht ganz offengelegt wurde, wie komplex und groß die Schwierigkeiten in der übernommenen Division sind. Soweit nicht ungewöhnlich… Mit seinem üblichen Elan hat er die Dinge dennoch angepackt und mit bewährter Vorgehensweise adressiert. Er war immer analyse- und entscheidungsstark und sehr ergebnisorientiert. Auf seine Einschätzung und Schlussfolgerungen hat er sich während der letzten 16 Jahre immer verlassen können.
Aber dieses Mal war es wie verhext. Nichts gelang, von irgendwoher kam immer plötzlich ein unerwartetes Argument oder ein Hindernis, das ihn ins Aus schickte. Die Führungskräfte, die er führte, schienen ihn zunehmend nicht mehr ernst zu nehmen und fingen vereinzelt an, hinter seinem Rücken zu munkeln, wie lange er sich wohl halten könne. Die Gesamtsituation entglitt so massiv, dass er anfing, an sich selbst und seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Nach 5 Monaten fürchtete er sich bereits vor jedem jour fix mit seinem Chef.

Dabei ist Herr Danner kein Einzelfall. Oft stehen wir uns bei Jobwechseln und dem Sprung auf der Karriereleiter selbst im Weg. Unsere in der Vergangenheit eingeübten Verhaltensmuster sind bei geänderten Rahmenbedingungen manchmal sogar schädlich für uns. Das gilt im Übrigen auch für ganze Organisationen.

In der gemeinsamen Arbeit hat Herr Danner dann mit klarem, unemotionalem Blick auf die Situation schauen können und musste feststellen, dass er in vielen Situationen nicht so gehandelt hat, wie es am besten gewesen wäre. Er hat vielmehr so gehandelt, wie er es früher immer getan hat, seinem Erfolgsmuster entsprechend. Er hat analysiert und entschieden. Je mehr er unter Druck stand, desto mehr verfiel er in sein bewährtes Erfolgsmuster. Seine Führungskräfte wollten aber mitentscheiden und die vielen Stakeholder, die er gar nicht abgeholt hat, haben ihm dann Hindernisse in den Weg geworfen.

Ein Jahr ist seither vergangen. Herr Danner ist noch im Job und hat das Tal der Tranen überwunden. Ein einfaches Jahr war das nicht für ihn aber er hat sehr viel dazu gelernt und wir haben neue wichtige Herangehensweisen erarbeitet. Besonders im Stakeholdermanagement ist Herr Danner so viel besser geworden und kann heute wieder viel ungestörter seine Stärken ausspielen und sein Bereich liefert gute Ergebnisse.
Wichtig ist mir, dass Herr Danner sich dabei nicht verbogen hat. Er hat aber seine Handlungsoptionen massiv erweitert und ausgebaut. Davon profitiert er jetzt und in allen weiteren Rollen.

Es ist wie beim Klavierspielen. In den ersten Jahren spielen wir immer auf 2-3 Oktaven. Da fühlen wir uns wohl und sicher. Um virtuos zu werden, müssen aber neue Tasten, neue Töne und neue Oktaven erschlossen werden. Das braucht sehr viel Übung und auch Anleitung. Das Konzert, dass dann aber gespielt werden kann, ist unbeschreiblich.

Euch jetzt viel Erfolg beim Lernen neuer Töne! Ich freue mich auf gelungene Konzerte!

*Herr Danner heißt in Wirklichkeit natürlich anders.